20. Tag – Die Künstlerkolonie
Ende des 19. Jahrhunderts trafen eher zufällig Maler auf dem Darß, in Wustrow und Ahrenshoop zusammen, die den dunklen Ateliers in den Städten entflohen waren und die die Weite und Ursprünglichkeit der Natur suchten. Es waren Landschaftsmaler, die in freier Natur ihre Bilder malen wollten. Die neuen Zinkmaltuben und Maler-Ausrüstungen machten es möglich auf das Atelier, das Studio, zu verzichten.
Es war eine Bewegung, die ihren Ausgangspunkt zunächst in Holland hatte, sich dann in Frankreich entfaltete und zu ersten Künstlerkolonien führte. Künstler aus Paris fanden auf der Suche nach Motiven das anderthalb Bahnstunden von Paris entfernte Barbizon. Es entstand die „Schule von Barbizon“, Freilichtmalerei und Landschaftsmalerei. Vincent van Gogh und Paul Gaugin sind davon beeinflußt und revolutionieren ihrerseits die Landschaftsmalerei.
Bis zur Jahrhundertwende entstehen über 100 Künstlerkolonien in Europa und eine davon ist Ahrenshoop. Die Kolonisten hier verstießen gegen die alte Kartenspieler-Weisheit „wer schreibt, der bleibt“ und hinterließen kaum Schriftliches über ihr Tun. So erreichten sie nie die Bekanntheit von Worpswede.
Schnee und Eis. Die Reha-Bewohner sollen die Klinik nicht verlassen.Obwohl doch am Strand gestreut ist!
„Der Ort liegt weit ab jeder Bahnstrecke. Die nächste Zugstation ist Ribnitz-Damgarten. Nach Ahrenshoop gelangt man nur über sandige Wege mit einer Pferdekutsche oder aber mit dem Ribnitzer Dampfer über den Bodden.“
Nach den Sommerferien schwärmten die ersten Künstler bei ihren Kollegen in Berlin so von Ahrenshoop, dass diese sich vom Liebreiz der Landschaft selbst überzeugen wollen; nun kommen noch mehr Künstler ins Dorf. Sie kaufen Grundstücke, bauen Häuser, und legen eine Ortssatzung fest, die den Charakter des Ortes erhalten soll. Wie man heute noch sieht, ist ihnen das ja auch gut gelungen. Der Widerstand gegen überdimensionierte Neubauten (siehe mein Foto von der Grenzstraße, das Transparent gegen Bürgermeister Götz) oder den Abriß und Neubau der Ruine des Kurhauses (hier wollte ein Investor ein Hotel mit 140 Betten bauen) hält ja bis heute an.
Jedenfalls kamen dann noch die „Malweiber“ dazu, also Malerinnen, und Müller-Kaempff gründete eine Malschule. (Die Stimmung war sich lustiger als heute in der Reha-Klinik, wo der arme Stefan seine 3 Wochen abreißt.) In diesem Haus gibt es heute noch Stipendiaten, die hier eine halbes Jahr lang wohnen und arbeiten können.
Mit Beginn des ersten Weltkrieges erlischt das Interesse an der naturalistischen Malweise. Die Kunst und der Geschmack in den Städten entwickelt sich weiter. „Junge Malgäste, der Moderne zugewandt, werfen den Kolonialisten vor, sich an die immer gleichen Bildmotive zu klammern und zu verarmen. Dem können diese nicht folgen. Dass ihre Bilder plötzlich nicht mehr gefragt sind, kränkt sie und lässt nun in zunehmendem Alter die Kreativität schwinden.“
Es folgen neue Generationen von Malern, Bildhauern, Schriftstellern und Musikern bis heute (allerdings nicht im Winter, da machen nur Narren hier Urlaub).
Ihnen allen hat Müller-Kampff mit seinen Bildmotiven, den windschiefen Katen und Scheunen, der Boddenlandschaft mit der Mühle, den Windflüchten am Weststrand, Motive die er zu jeder Jahreszeit gemalt hat, die Sehnsucht nach unberührter Natur vermittelt, die die Maler vor über 100 Jahren bewogen hat, sich hier anzusiedeln.
Also schaut Euch die Bilder der Ahrenshooper Künstler mal bei Gelegenheit an. Ich habe ein kleines Buch erworben mit der Geschichte und vielen Bildern der Künstlerkolonie:
Ingrid Schreyer „Paul Müller-Kaempff und die Künstlerkolonie Ahrenshoop“ erschienen 2006 in Ahrenshoop.
Diesen letzten Eintrag scheibe ich auf der Heimfahrt im Zug. Bis heute und wieder gibt es witzigerweise diese Verbindung zwischen dem Badischen und dem Fischland. Ohne Umsteigen fährt der IC von Karlsruhe bis nach dem geliebten Ribnitz-Damgarten-West, ja sogar weiter noch bis Stralsrund und Binz auf der Insel Rügen.
Damit endet mein Tagebuch. Es hat mir gefallen, es zu führen und hat mich animiert, täglich nach ein paar lohnenden Motiven für meinen Fotoapparat Ausschau zu halten. Hoffentlich hat es Euch gefallen und wenn jemand etwas zu kommentieren hat, würde ich mich freuen:
stefaninahoop@yahoo.de
Links zur Künstlerkolonie:
http://www.kunstkaten.de/geschichte.htm
http://www.kuenstlerhaus-lukas.de/?%A0Archiv:%A0Geschichte_des_Hauses
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/16.05.2004/1124571.asp
http://www.hr-online.de/website/specials/wissen/index.jsp?rubrik=6562&key=standard_document_10373776




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