17. Tag - Ossis
Ich war gerade mit einer ehemaligen Veterinärmedizinerin und heutigen Regionalplanerin im „Strandläufer“ zwei Bierchen trinken. Bei der Wende war sie gerade mit dem Studium fertig und hatte noch keine beruflichen Erfahrungen. Sie sagt, sie ist so ein Zwischenprodukt. Richtig DDR-Berufsalltag hat sie nicht mehr erlebt, ist aber natürlich in der DDR groß geworden und hat immer hier gelebt. Aber die alten Schlagworte aus dem Kalten Krieg kennt sie nur vom Hörensagen. Ihr Thema ist der dramatische Bevölkerungsrückgang in Meckelnburg-Vorpommern, der bis zu 50% bis 2050 betragen soll. Das hat natürlich gewaltige Auswirkungen auf die gesamte Infrastuktur: Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Straßen, Verkehr usw.

Mir fällt auf, dass Ossi-Wessi-Diskussionen kaum statt finden. Der alte Gegensatz findet hier nicht statt. Ost-West ist schlicht kein Thema. Man schimpft eher über die Politiker allgemein. Insbesondere die Berliner sind hier führend, fühlen sich ständig benachteiligt und beleidigt. Habe einen Original-Berliner kennen gelernt, der 45 Jahre gearbeitet hat und sich jetzt über seine Rente beklagt. Er war 27 Jahre lang Müllkutscher, dann in der Verwaltung. Jedes zweite Wort beim ihm war Scheiße und Arschloch. Wir sprachen über Politik. Nun ja.
Aber Ost-West ist gegessen bei den Leuten hier.
Ansonsten hat mich noch ein Artikel in der heutigen Süddeutschen Zeitung beschäftigt. Der ZDF-Journalist Bodo Hauser ist ja letztes Jahr verstorben. Er hat die Sendung Kientzle/Hauser gemacht (Noch Fragen Kientzle? Ja, Hauser!) Dieser Herr Hauser war an Divertikeln erkrankt, genau wie ich. Er ist vom Chefarzt operiert worden und der Artikel handelt dann davon, daß es womöglich gar nicht besonders vorteilhaft ist, vom Chefarzt operiert zu werden und nicht vom Assistenz- oder Oberarzt, die die Praxis und Routine haben. Jedenfalls ist er bei der Operation gestorben. Die Witwe hatte geklagt und ein Gericht hat nun festgestellt, dass die Operation nicht sachgerecht durchgeführt wurde. Es sind Blutgefäße verletzt worden und die Blutungen erst 14 Stunden später bemerkt worden. Da war es dann zu spät. Der Chefarzt wurde deshalb jetzt vom Dienst suspendiert. Als Schlusssatz wurde ein Gutachter zitiert, der sinngemäß sagte, wenn wir alle Operationen so untersuchen würden, dann können wir die Kliniken dicht machen.
Ich habe den Eindruck, dass ich bei meiner Operation ziemlich viel Glück gehabt habe. Ich habe zufällig eine gute Klinik erwischt und einen guten Operateur gehabt. Was genau abgelaufen ist bei meiner 2 ½ stündigen Operation, weiß ich bis heute nicht. Ist vielleicht auch gut so. Jedenfalls habe ich mit der früheren Veterinärmedizinerin über meine und ihre Krankheiten ausgetauscht und das gehört irgendwie auch zu so einer Kur dazu.



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